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Evelina

von Evelina

Im Gespräch mit: Noah Rennebaum

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2018: Studium der Kunstpädagogik an der Universität Leipzig 
  • Seit 2022: Teil der SKM-Community  
  • Künstlerische Praxis: Autodidaktische Malerei, geprägt durch Selbststudium, Kurse und Austausch  
  • Arbeitsweise: Zusammenspiel aus Intuition und bewussten Entscheidungen; Malerei als Dialog zwischen Idee und Bild  
  • Thematische Schwerpunkte: Landschaften, Licht, Farbe und zunehmend figurative Malerei  
  • Einflüsse: Abstrakter Expressionismus, Impressionismus und Vincent van Gogh   
  • Aktuell: Ausstellung „Jenseits des Sichtbaren“ in der SKM-Galerie bis zum 8. November und SKM Pop-UP Hamburg 4.-6. Dezember


Noah Rennebaum studiert seit 2018 Kunstpädagogik an der Universität Leipzig. Seine eigene Malerei entwickelte er parallel zum Studium im Selbststudium und durch zusätzliche künstlerische Kurse und den Austausch mit anderen Kunstschaffenden. 

Seit 2022 ist er Teil der SKM. Aktuell sind seine Arbeiten in der Ausstellung „Jenseits des Sichtbaren“ zu sehen, die noch bis zum 8. November 2026 in der SKM-Galerie in Leipzig präsentiert wird.

Schule, Studium und der Weg zur Kunst

Hallo Noah, vor einem knappen Jahr saßt Du bereits mit Erich im Gespräch und hast viele Einblicke in Deinen Werdegang gegeben. Dabei hast Du erzählt, dass Kunst Dich schon seit Deiner Schulzeit begleitet und Du irgendwann den Weg ins Kunststudium eingeschlagen hast. Heute studierst Du Kunstpädagogik und arbeitest gleichzeitig intensiv an Deiner eigenen Malerei. Was bedeutet es für Dich persönlich, Kunst zu schaffen? 

Kunst ist für mich eine andere Realität, die ich nach meinen Vorstellungen formen kann. Das Gefühl des Schöpfens ist unglaublich wirkmächtig. Es gibt mir ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit, anders als es mir die Realität manchmal gibt.


Kunstpädagogik ist hier in Leipzig ja Teil der Universität und damit auch anders aufgebaut als an vielen Kunsthochschulen. Wie wirkt sich diese Struktur auf Deine eigene künstlerische Arbeit und Entwicklung aus? Ergeben sich daraus für Dich bestimmte Vor- oder Nachteile? 

Als Lehramtsstudent habe ich mich den Bereichen Kunst, Sport und Bildungswissenschaften gewidmet. Dabei geht es weniger um die Ausübung eines Fachs als um dessen Vermittlung. Das unterscheidet das Lehramtsstudium deutlich von einem Kunststudium. Neben theoretischen Inhalten wie Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Kindesentwicklung umfasste es praktische Module zu Drucktechniken, Zeichnung, Malerei und digitalen Medien. Was mir dabei besonders fehlte, waren das gemeinsame künstlerische Arbeiten und ein eigener Arbeitsplatz am Institut. Bis auf die Druckwerkstatt gab es nicht viele Gelegenheiten dort zu arbeiten, besonders während Corona. 

Meine Kunst entstand hauptsächlich neben dem Studium, schon zu Beginn malte ich mit Öl. Dies war jedoch nie Teil des Studiums und ich nutzte meine Freizeit für das Selbststudium. Ich malte Tag und Nacht und fast immer allein. Es gab auch keinen Grund oder eine Möglichkeit das zu ändern. Als ich dann mein Atelier bezog, hatte ich mehr Platz zum Arbeiten, allein blieb ich dabei trotzdem. Ich hatte Austausch mit Freunden, die jedoch fast ausschließlich fachfremd sind. Das würde ich nun als Nachteil deuten, da es so wichtig ist, über seine Kunst zu reden, insbesondere mit anderen Produzenten.


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Arbeitsweise und Technik

Du hast im letzten Gespräch beschrieben, dass Deine Bilder oft besser werden, je weniger Du darüber nachdenkst, und dass dabei eine gewisse Unstimmigkeit zwischen Deiner ursprünglichen Vorstellung und dem entsteht, was schließlich auf der Leinwand landet. Wie viel Intuition und wie viel bewusste Entscheidung steckt heute in Deiner Malerei? Wie viel weißt Du von einem Bild bereits, bevor Du anfängst zu malen? 

Vor dem Malen habe ich meist keine vollständig ausgearbeitete Vorstellung vom fertigen Bild. Es gibt eher eine Ahnung oder eine Richtung, die mit einer bestimmten Intention verbunden ist und sich erst während des Malprozesses konkretisiert. Möglichst wenig über jeden einzelnen Schritt nachzudenken bedeutet für mich dabei nicht, unbewusst zu arbeiten. Im Gegenteil, denn gerade in diesem Zustand greifen intuitive und bewusste Entscheidungen ineinander. Oft habe ich das Gefühl, dadurch unmittelbarer und vielleicht auch ehrlicher zu malen. 

Während des Arbeitens versuche ich immer wieder, einen Schritt zurückzutreten und auf das zu reagieren, was bereits auf der Bildfläche entstanden ist. Dadurch entwickelt sich eine Art Dialog zwischen meiner ursprünglichen Vorstellung, den Entscheidungen während des Malens und dem Bild selbst. Dieser Prozess funktioniert nicht immer gleich gut und lässt sich auch nicht vollständig planen. Gerade darin liegt für mich jedoch ein wichtiger Teil der Malerei. Gleichzeitig möchte ich lernen, diesen Umgang bewusster zu steuern und mein malerisches Vokabular zu erweitern. Das kann ich gezielt trainieren, indem ich mit unterschiedlichen Medien wie Bleistift oder Aquarell arbeite, verschiedene Formate erprobe und mich mit wechselnden Motiven und grundlegenden bildnerischen Fragestellungen beschäftige. Solche Übungen helfen mir, bewusste Entscheidungen sicherer zu treffen, ohne dabei die Offenheit und Intuition im Arbeitsprozess zu verlieren. Welche Aspekte dabei im Vordergrund stehen, hängt auch von der jeweiligen Arbeit ab. In meinen Pleinair-Malereien geht es mir beispielsweise häufig weniger um eine genaue Wiedergabe eines Ortes als darum, dessen Stimmung, Bewegung und allgemeine Wirkung einzufangen. Äußere Bedingungen wie Wind, Sonne und wechselndes Licht werden dabei Teil des Bildes. Licht spielt generell eine wichtige Rolle in meiner Arbeit. Auch viele der Fotografien, die ich als Ausgangspunkt für Malereien sammle, entstehen an sonnigen Tagen, da mich besonders die dadurch entstehenden Kontraste, Farben und räumlichen Wirkungen interessieren.



Wenn man Deine Arbeiten über einen längeren Zeitraum betrachtet, fällt auf, wie sehr Du Dich technisch und materiell weiterentwickelst. Gibt es etwas, das Deine aktuelle Arbeitsweise besonders prägt? Was beschäftigt Dich momentan in Deiner Malerei – formal, materiell oder auch inhaltlich? 

Inhaltlich beschäftige ich mich weiterhin mit Landschaften, zugleich interessiert mich die figurative Arbeit zunehmend. Um diesen Bereich gezielt zu vertiefen, habe ich unter anderem Kurse zur Aktmalerei besucht und mich intensiver mit Körperlichkeit, Händen, Figuren und Ausdruck beschäftigt. Auch das Arbeiten in unterschiedlichen Formaten hat meinen Blick auf die Malerei verändert. Neben sehr kleinen Arbeiten von etwa fünf mal fünf Zentimetern habe ich auch auf sehr großen, teilweise überlebensgroßen Formaten gearbeitet. Dabei wurde mir deutlich, wie stark das Format die Art des Malens und letztlich auch das Ergebnis beeinflusst. Kleine Arbeiten verlangen eine stärkere Reduktion und Konzentration, während große Flächen mehr Raum für Bewegung, Geste und malerische Entwicklung bieten. Dadurch verändert sich nicht nur der Bildaufbau, sondern auch die Wirkung der Malerei selbst. Diesen materiellen und formalen Spielraum möchte ich künftig weiter ausbauen und beispielsweise auch auf anderen Bildträgern wie Holz arbeiten sowie neue Materialien erproben, wie z.B. Leinwandstoff aus Hanf. Gleichzeitig möchte ich mein kunsttheoretisches Wissen und meine Grundlagen weiter vertiefen, um meine eigenen Entscheidungen bewusster einordnen zu können. Besonders beschäftigen mich momentan Positionen des Abstrakten Expressionismus, aber auch impressionistische Malerei. Van Gogh fasziniert mich schon seit Langem, insbesondere durch die Unmittelbarkeit und Ausdruckskraft seiner Pinselführung.

Ein Blick in die Zukunft

Deine aktuelle Arbeit ist auch im Hinblick auf die kommenden Monate interessant: Neben der laufenden Ausstellung bei SKM steht für Dich dieses Jahr noch ein weiteres Ausstellungsprojekt in Schkeuditz, sowie die SKM Pop-Up Ausstellung in Hamburg an. Mit Blick auf Deine aktuellen Projekte und die nächsten Schritte: Was sind für Dich momentan die größten Herausforderungen – künstlerisch, organisatorisch oder auch persönlich? 

Eine meiner größten Herausforderungen besteht aktuell darin, eine gute Balance zwischen meiner künstlerischen Arbeit, den organisatorischen Anforderungen der Selbstständigkeit und meiner Freizeit zu finden. Ich pendel mich gerade ein und es gibt immer neue Ideen. Oft entstehen viele Projekte und Vorhaben gleichzeitig, die ich gerne weiterverfolgen möchte. Gerade nach den intensiven vergangenen Monaten und der erfolgreichen Ausstellung in der SKM-Galerie habe ich noch einmal zusätzlichen Antrieb verspürt. Das ist großartig, gleichzeitig merke ich aber auch, wie schnell daraus der Wunsch entstehen kann, immer noch mehr zu machen. 

Deshalb versuche ich zunehmend darauf zu achten, dass die Qualität meiner Arbeit nicht hinter der Quantität zurücktritt und meine künstlerische Praxis nicht zu einem reinen Funktionieren wird und mir genug Zeit für jedes meiner Werke zu nehmen. Für meine Kreativität ist es wichtig, mir auch Freiräume zu erlauben, in denen ich ohne konkretes Ziel arbeite und einfach dem nachgehe, worauf ich gerade Lust habe. Gerade nach besonders arbeitsintensiven Phasen hilft mir das, Abstand zu gewinnen, den Kopf freizubekommen und wieder offener an neue Arbeiten heranzugehen. Hinzu kommen die organisatorischen Seiten der Selbstständigkeit, die ebenfalls Zeit und Energie beanspruchen. Bürokratische Aufgaben, die Planung kommender Projekte oder auch Überlegungen zu einem größeren Atelier gehören momentan ebenso zu meinem Alltag wie das eigentliche Malen.

Gibt es etwas, das man über Dich durch Deine Werke erfahren kann, das sich im Gespräch vielleicht gar nicht so leicht vermitteln lässt? 

Ich kann sehr ungeduldig und unentschlossen sein und habe oft viele Ideen gleichzeitig. Nicht selten entstehen neue Gedanken noch während des Malens und verändern die ursprüngliche Richtung eines Bildes. Unter manchen fertigen Arbeiten liegen deshalb mehrere frühere Zustände. Ideen, die zunächst noch unausgereift waren oder mich nicht überzeugt haben, werden verworfen, übermalt oder weiterentwickelt. Dabei verschwinden sie jedoch nicht vollständig, den bei der Ölmalerei überlagern sich die verschiedenen Farbschichten und als Spuren bleiben sie Teil der Geschichte des Bildes und beeinflussen letztlich auch seine Oberfläche und Wirkung. Das kann sehr emotional sein, es gibt also auch Phasen von Frustration und Zweifel, in denen eine Arbeit kurz davorsteht, aufgegeben zu werden, was nicht heißt, dass es in meinem Atelier nicht auch einige solcher „Bildleichen“ gibt. Gleichzeitig finde ich es besonders interessant, wenn es gelingt, diese schwierigen Phasen zu überwinden und die vorherigen Zustände in einer fertigen Arbeit noch spürbar bleiben. Gerade in größeren Formaten werden solche Emotionen häufig auch körperlich sichtbar, wie in schnellen Bewegungen, deutlichen Gesten und einer unmittelbaren Pinselführung.

Ein letzter Einblick

Was ist für Dich gefährlicher: ein Werk, das zu viel erklärt, oder eines, das gar nichts preisgibt? 

Für mich wäre es problematischer, wenn ein Werk gar nichts preisgibt. Ein Bild, das vollkommen verschlossen bleibt und keinerlei Anhaltspunkt bietet, kann auf mich schnell leer oder langweilig wirken. Ich brauche etwas, woran ich mich festhalten kann – einen Zugang, eine Stimmung, eine Geste oder eine Spur von etwas Erkennbarem. Gleichzeitig möchte ich ein Bild aber auch nicht vollständig erklären. Mich interessiert vielmehr die Balance zwischen Offenheit und Konkretheit. Es soll genügend Raum für eigene Assoziationen und Deutungen lassen, ohne dabei beliebig zu werden. Auch wenn eine Arbeit offen bleibt, trägt sie schließlich immer etwas von meiner eigenen Realität in sich. Diese projiziere ich auf das Bild, bewusst oder unbewusst, und genau darin liegt für mich bereits eine Form von Aussage. 


Welche Idee, welches Buch, welche Serie oder welche andere Anregung hat Dich zuletzt beschäftigt oder begeistert und ist etwas, das Du gerne weiterempfehlen würdest? 

Zuletzt habe ich Krimi Thriller von Chris Carter für mich entdeckt, kann ich nur empfehlen, das liest sich teilweise in wenigen Tagen runter. Viel zu spannend!

Häufig gestellte Fragen

Studierenden Kunstmarkt ist die führende Plattform im deutschsprachigen Raum für studentische Kunst. Sie ermöglicht Kunstinteressierten und KunstliebhaberInnen Kunstwerke direkt von Kunststudierenden zu kaufen und sie somit während des Studiums finanziell zu unterstützen.

Studierenden Kunstmarkt wurde 2020 von Erich Reich und seinem Bruder gegründet. Erich ist noch immer Geschäftsführer von Studierenden Kunstmarkt und hat es gemeinsam mit seinem Team geschafft, eine Plattform zu kreieren, die Kunstliebhaber, Kunstinteressierte und Kunststudierende zusammenzubringen. Bis heute ist Studierenden Kunstmarkt komplett selbst finanziert und hat keine externen Gelder von Investoren aufgenommen.

Zu jedem Zeitpunkt gibt es mehrere hundert Kunststudierende und mehrere tausend Kunstwerke auf Studierenden Kunstmarkt. Ein guter Einstieg, um einen ersten Überblick über die KünstlerInnen zu erhalten, ist die Kategorie KünstlerInnen des Monats.

Genau so wie normale Galerien, erhält Studierenden Kunstmarkt eine Provision pro verkauftem Bild. Damit wird der Betrieb der Plattform, die Instandhaltung, sowie die Angestellten von Studierenden Kunstmarkt finanziert. Zusätzlich unterstützen wir die Studierenden, stehen beratend bei allen Fragen zur Verfügung und schalten kostenlos Werbung für die Studierenden auf Instagram, Facebook, Google und unserem E-Mail Newsletter mit mehreren tausend KunstliebhaberInnen als Abonnenten.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie du beginnen kannst, in junge Künstler:innen auf Studierenden Kunstmarkt zu investieren. Eine Möglichkeit ist es, dass du dich zu unserem kostenlosen E-Mail Kurs “In 7 Tagen zum Kunst Profi” anmeldest. Dort teilen wir ein paar basics mit dir und auch einige unserer Geheimtipps, welche Künstler:innen besonders viel Potential haben. Mehr erfahren

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