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Evelina

von Evelina

Prosit! Trinktradition in der Kunstgeschichte

Das Wichtigste in Kürze

  • Alkohol ist eine kulturelle Konstante und spielt seit der Antike eine Rolle bei Ritualen, Festen, sozialen Zusammenkünften und besonderen Anlässen. 
  • In der Antike war Wein zentral für das gesellschaftliche Leben, etwa bei griechischen Symposien und Festen zu Ehren des Dionysos. Auch die Römer übernahmen diese Trinkkultur. 
  • Christliches Mittelalter: Wein erhielt eine religiöse Bedeutung als Symbol für das Blut Christi und wurde Teil der Eucharistie. Gleichzeitig gewann Bier als alltägliches Getränk an Bedeutung. 
  • In der niederländischen Malerei der frühen Neuzeit wurden Trink- und Wirtshausszenen zu beliebten Motiven. Sie zeigten Alltag und Geselligkeit, dienten aber häufig auch als moralische Warnung vor übermäßigem Konsum. 
  • Mit der Moderne verschob sich der Fokus stärker auf die individuelle Erfahrung des Rauschs. Alkohol wurde mit Geselligkeit, Freiheit und Entgrenzung, aber auch mit Einsamkeit, Dekadenz und sozialen Problemen verbunden. 
  • Zeitgenössische Kunst greift diese unterschiedlichen Bedeutungen weiterhin auf: von Gemeinschaft und Genuss bis hin zu Kontrollverlust, Abhängigkeit und gesellschaftlicher Kritik.


Alkohol spielt in vielen Kulturen eine bedeutende Rolle. Er begleitet Rituale und religiöse Zeremonien, gehört zum geselligen Beisammensein und markiert besondere Momente wie gesellschaftliche Feste oder geschäftliche Zusammenkünfte. Zugleich ist Trinken nicht nur eine Frage des Anlasses, sondern auch der Bedeutung, die ihm zugeschrieben wird. Die Wahl eines Getränks und seine Qualität können sozialen Status markieren, während der Rausch mit freudigem Kontrollverlust und Ekstase, aber auch mit Dekadenz und Vergänglichkeit verbunden wird. Der Alkoholkonsum zieht sich dabei als kulturelle Konstante durch die westliche Bildgeschichte und nimmt je nach Epoche und gesellschaftlichem Kontext unterschiedliche Bedeutungen an.

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Wein in der Antike und im christlichen Mittelalter

Bereits in der griechischen Antike nahm Wein eine zentrale Stellung im gesellschaftlichen und kulturellen Leben ein. Er gehörte zu Symposien und öffentlichen Festen und wurde sogar im Rahmen eigener Feierlichkeiten zu Ehren des Dionysos, des Gottes des Weines und der Ekstase, zelebriert. Beim gemeinsamen Trinken wurde nicht nur gefeiert, sondern auch diskutiert, gedichtet und musiziert. Erhaltene Trinkgefäße wie die Kylikes geben davon bis heute Zeugnis und machen die Trinkkultur selbst zum Bildmotiv. 

Diese Tradition wurde auch von den Römern übernommen und in die eigene Kultur überführt. Die damit verbundenen Feste und Götter fanden dabei neue Entsprechungen in Bacchus und den Saturnalien. Besonders in Mosaiken und Wandmalereien finden sich neben Szenen des Trinkens immer wieder Trauben und Weinreben als dekorative Elemente einer etablierten Bildsprache. 

Mit dem Christentum wird Wein zum Symbol für das Blut Christi und Bestandteil der Eucharistie. Zugleich verlagert sich der Schwerpunkt der westlichen Kunstgeschichte zunehmend nach Mittel- und Westeuropa, wodurch regionale Trinkgewohnheiten stärker in den Vordergrund treten. Bier, bereits seit der Antike bekannt, findet so auch Eingang in die mittelalterliche Bildsprache.


Trinkkultur im Europa der frühen Neuzeit

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Trinkende Menschen, Wirtshausszenen und gesellige Zusammenkünfte werden zu beliebten Motiven der Genremalerei. Dabei wird das Trinken aus dem religiösen oder mythologischen Kontext herausgelöst, im Alltag verankert und zugleich zum Ausgangspunkt moralischer und sozialer Kommentare. Ein besonders bekanntes Beispiel ist Jan Steens „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen“ von etwa 1668 bis 1670. Die ausgelassene Familienszene zeigt Erwachsene und Kinder beim Essen, Trinken und Musizieren. Was zunächst wie eine heitere Alltagsszene erscheint, enthält zugleich eine deutliche moralische Warnung: Die Kinder übernehmen das Verhalten der Erwachsenen und damit auch deren Laster.

Der Rausch der Moderne

Dieser kritische Blick auf das Trinken bleibt in der Moderne bestehen, während zugleich die individuelle Erfahrung stärker in den Vordergrund rückt. Rausch, Geselligkeit, Einsamkeit und Entgrenzung werden nun zunehmend als subjektive Zustände dargestellt. Während Künstler wie Max Beckmann und Otto Dix dabei die Dekadenz und sozialen Spannungen des modernen Großstadtlebens ins Bild setzen, rückt bei anderen die individuelle Erfahrung von Rausch und Isolation in den Mittelpunkt. Bis heute bewegt sich die Darstellung des Alkoholkonsums zwischen Geselligkeit und Kritik: Er erscheint als Begleitung gesellschaftlicher Zusammenkünfte ebenso wie als Ausdruck von Abhängigkeit und sozialer Problematik. 

Vom religiösen Symbol über das gesellige Ritual bis hin zum Ausdruck von Rausch, Dekadenz und persönlicher Erfahrung bleibt das Trinken eine Konstante unserer Kultur. Die folgenden Werke aus der Galerie zeigen, wie vielfältig diese Facetten in der zeitgenössischen Kunst zum Ausdruck kommen.

Alina Fenn - Hase und Vermouth

Dieses Werk verbindet auf spielerische Weise Kindheit und Erwachsensein. Der Hase steht sinnbildlich für Unschuld, Verletzlichkeit und frühe Erinnerungen, während die Martini-Flasche das bewusste, erwachsene Leben markiert. Durch die Gegenüberstellung entsteht ein stiller Dialog zwischen Naivität und Erfahrung, Leichtigkeit und Verantwortung. Die Acrylfarben unterstreichen dabei die klare Bildsprache und die emotionale Spannung zwischen den beiden Welten.

Lou Stark - girldinner

Lou Starks figurative Malerei erzählt von Nähe, Freundschaft und den kleinen Momenten des gemeinsamen Eskapismus. Ausgehend von ihren frühen Arbeiten zu Depression, Isolation und dem Wunsch, der Realität für einen Moment zu entkommen, richtet sie ihren Blick zunehmend auf Frauenfreundschaften. Alkohol, lange Nächte und gemeinsame Ausflüge werden dabei zu Momenten des Loslassens – aber auch zu Ausdruck einer besonderen Form von Verbundenheit. 

Adrian Ferdinand - Bar

Die fotografische Arbeit von Adrian Ferdinand zeichnet sich durch eine präzise Beobachtung des Alltäglichen und Beiläufigen aus. Seine Motive entstammen dem urbanen Raum, dem Sozialleben, der Subkultur und der Mode – stets mit einem tiefgehenden Interesse an Wertevorstellungen und Fragen der Identität. Mit einem sensiblen Blick für zufällige Arrangements und vergängliche Momente fängt er Situationen ein, die oft übersehen werden, dabei aber eine besondere Ästhetik oder Abstraktion offenbaren.

Häufig gestellte Fragen

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Studierenden Kunstmarkt wurde 2020 von Erich Reich und seinem Bruder gegründet. Erich ist noch immer Geschäftsführer von Studierenden Kunstmarkt und hat es gemeinsam mit seinem Team geschafft, eine Plattform zu kreieren, die Kunstliebhaber, Kunstinteressierte und Kunststudierende zusammenzubringen. Bis heute ist Studierenden Kunstmarkt komplett selbst finanziert und hat keine externen Gelder von Investoren aufgenommen.

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