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Evelina

von Evelina

Ein Sommertraum zwischen Kunst und Literatur

Das Wichtigste in Kürze

  • Sommer ist ein wiederkehrendes Thema in Kunst und Literatur und steht für Fülle, Freiheit, Licht, Sehnsucht, Erinnerung und zugleich die Vergänglichkeit dieser intensiven Jahreszeit.
  • Der Beitrag zeigt, wie Kunstwerke und literarische Texte miteinander in Dialog treten und ähnliche Stimmungen, Motive und Erinnerungen aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen.
  • Besonders interessant ist die Zusammenstellung für Kunst- und Literaturinteressierte, die sommerliche Bildwelten entdecken und Verbindungen zwischen Gemälden, Gedichten und Musik herstellen möchten.
  • Entdecke die ausgewählten Werke gemeinsam mit den Texten von Louise Glück, Hermann Hesse, George Gershwin und Dinos Christianopoulos und achte dabei auf Themen wie Landschaft, Licht, Meer, Erinnerung und Melancholie.


Es gibt Themen, die in der Kunst immer wieder auftauchen, weil sie sich nicht erledigen lassen: Liebe, Tod, Natur, Sehnsucht. Und dann gibt es den Sommer. Seit Jahrhunderten wird er gemalt, beschrieben, besungen und erinnert. Mal als Zeit des Überflusses und der Freiheit, mal als Höhepunkt eines Lebenskreises, dessen Ende sich gerade in seiner Fülle bereits ankündigt.

Überhaupt liegen Kunst und Literatur näher beieinander, als es ihre unterschiedlichen Mittel zunächst vermuten lassen. Textquellen dienen seit jeher als Inspiration für Kunstwerke; umgekehrt können Gedichte Bilder vor unserem inneren Auge entstehen lassen, während ein Gemälde Erinnerungen an eine Geschichte, einen Vers oder eine längst gelesene Zeile wecken kann. Solche Verbindungen sind nicht immer beabsichtigt. Sie entstehen dort, wo wir Kunst nicht nur betrachten, sondern mit dem verbinden, was wir selbst gelesen, gesehen und erlebt haben. Der Dialog zwischen den Künsten ist dabei so alt wie die Künste selbst. Motive wandern von einem Medium ins andere, Geschichten werden neu erzählt, Bilder werden zu Worten und Worte wieder zu Bildern. Was dabei entsteht, ist selten eine eindeutige Übersetzung, sondern vielmehr ein Netz aus Bezügen, Assoziationen und Erinnerungen.

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Mit diesem Gedanken habe ich mich durch das Konvolut der SKM und mein literarisches Archiv bewegt, auf der Suche nach Sommerträumen, Gefühlen und Erinnerungen, die sich zwischen Bild und Wort wiederfinden. Entstanden ist eine kleine Sammlung sommerlicher Begegnungen zwischen Kunst und Literatur. zwischen Landschaft und Erinnerung, Licht und Melancholie, Mythos und Gegenwart. Vielleicht ist sie weniger eine Sammlung von Sommerbildern als eine Einladung, den Sommer für einen Moment durch die Augen von Kunstschaffenden zu betrachten.



Ende August

Hitze

wie ein Zelt über

Johns Garten. Und manches

hat die Frechheit, jetzt noch zu beginnen:

Trauben von Tomaten, Beete

später Lilien – der Optimismus

dieser hohen Stängel – majestätisches

Gold und Silber. Aber warum

noch etwas beginnen,

so kurz vor dem Ende?


(Gedichtausschnitt: Louise Glück, Vespers (End of August), 1992, freie Übersetzung aus dem Englischen)


Das war des Sommers schönster Tag,

Nun klingt er vor dem stillen Haus

In Duft und süßem Vogelschlag

Unwiederbringlich leise aus.


In dieser Stunde goldnen Born

Gießt schwelgerisch in roter Pracht

Der Sommer aus sein volles Horn

Und feiert seine letzte Nacht.


(Gedicht: Hermann Hesse, Das war des Sommers schönster Tag, 1899)



Summertime and the livin' is easy

Fish are jumpin' and the cotton is high

Oh, your daddy's rich and your ma is good-lookin'

So hush little baby, don't you cry


One of these mornings

You're gonna rise up singing

Yes you'll spread your wings

And you'll take to the sky

But 'til that morning

There ain't nothin' can harm you

With Daddy and Mammy standin' by


(Arie: George Gershwin, Summertime, 1934)



Das Meer ist wie die Liebe:

Du steigst hinein und weißt nicht,

ob du wieder herauskommst.


Wie viele haben ihre Jugend darin verloren –

verhängnisvolle Sprünge, tödliche Tauchgänge,

Klippen, Abgründe, verborgene Felsen,

Strudel, Haie, Quallen.


Wehe uns, wenn wir aufhören zu baden,

nur weil fünf oder sechs ertrunken sind.

Wehe uns, wenn wir dem Meer den Rücken kehren,

nur weil es seine Wege kennt, uns zu verschlingen.


Das Meer ist wie die Liebe:

Tausend genießen sie – einer bezahlt den Preis.


(Gedicht: Dinos Christianopoulos, Das Meer, 1962, freie Übersetzung aus dem Griechischen)





Häufig gestellte Fragen

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