Nancy Deilami
Mich interessiert, wie sich flüchtige Erfahrungen in eine materielle Form übersetzen lassen. Im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit stehen Körper, Wahrnehmung, Erinnerung und zwischenmenschliche Beziehungen, jene oft unsichtbaren Prozesse, die unser Erleben prägen und Spuren in uns hinterlassen.
Ausgangspunkt meiner frühen Arbeiten war der Atem. Als flüchtiger und zugleich lebensnotwendiger Prozess faszinierte mich seine Fähigkeit, unseren körperlichen und emotionalen Zustand sichtbar werden zu lassen. Für mich ist der Atem eine Spur unseres inneren Erlebens. Aus dieser Auseinandersetzung entwickelte sich mein fortlaufendes Interesse daran, das Unsichtbare sichtbar und erfahrbar zu machen.
Ich entwickle vorwiegend installative Arbeiten, ergänzt durch Druckgrafik, Skulptur, Fotografie, Film, Fundobjekte und partizipative Elemente. Im Mittelpunkt stehen dabei Erinnerungen, insbesondere Kindheitserfahrungen, die unsere Wahrnehmung, unsere Beziehungen und unser Selbstverständnis prägen. Mich interessiert nicht die Erinnerung als Abbild der Vergangenheit, sondern ihre Präsenz im Hier und Jetzt: in unserem Körper, in Materialien und in den Dingen, die wir mit Bedeutung aufladen.
Farben, Muster und Fundstücke aus meinem Alltag bilden dabei einen wichtigen Ausgangspunkt. Sie tragen Geschichten in sich und eröffnen neue Verbindungen zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiver Erinnerung. Durch das Sammeln, Kombinieren und Transformieren dieser Materialien entstehen Arbeiten, die weniger Antworten geben als Räume eröffnen – für Wahrnehmung, Begegnung und Reflexion.
Der künstlerische Prozess ist für mich ein Ort des Forschens. Viele Entscheidungen entstehen intuitiv und entwickeln sich erst im Arbeiten mit Material, Raum und Bewegung. Kunst verstehe ich als Möglichkeit, das sichtbar zu machen, was sich unserer Sprache oft entzieht, die feinen Spuren von Erinnerung, Emotion und menschlicher Verbundenheit.