Elif Celik

Elif Celik studiert Freie Kunst an der Kunstakademie in Stuttgart

"Im Laufe meines Studiums entwickelte sich das Bedürfnis nach individuellem figürlichen Ausdruck zum zentralen Thema meiner künstlerischen Arbeit.             

Leitendes Motiv meiner Werke bilden hierbei geschlechtslose, abstrahierte Figuren, welche mich selbst darstellen. Diese Selbstbildnisse verkörpern meine Beziehung zu mir selbst sowie meine Rolle innerhalb der Gesellschaft. 

Während ich in manchen Arbeiten zentral im Vordergrund stehe, tauchen in anderen Werken weitere Figuren hinter einem Schleier auf, welche mich zu beobachten scheinen. Die eindringlichen Blicke aller Figuren in Kombination mit den klar aufgetragenen Farbflächen erzeugen für mich ein Spannungsfeld, welches stellvertretend für persönliche Erfahrungen und Empfindungen steht. Denn gleichsam spannungsvoll erlebe ich meine Position als vermeintlich „Nicht-Deutsche“ inmitten einer Gesellschaft, welche eine Entscheidung zwischen meinen Identitäten verlangt.    Geboren und aufgewachsen in Ulm, als schwäbische Frau,    als kopftuchtragende Muslima, rückt meine Identitätskrise inmitten zweier Kulturen unweigerlich in den Mittelpunkt meines Lebens und künstlerischen Schaffens. 

Mein Unmut, mich vor der Gesellschaft zu erklären, bildet auch den Grund für die nicht vorhandenen Münder meiner Figuren. Dennoch muss und möchte ich über diesen Umstand sprechen, um andere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu erreichen und das Erlebte zu verarbeiten. So betrifft diese Ablehnung nicht nur Personen mit einem ähnlichen ethnischen Hintergrund, sie kann sich auch schlichtweg auf körperliche Merkmale oder die sexuelle Orientierung beziehen. In meiner Malerei habe ich es mir deshalb zur Aufgabe gemacht, die anhaltende Beobachtung und Wertung darzustellen, welcher ich und Andere täglich ausgesetzt sind. Angefangen bei runden Formaten, nutze ich heute vermehrt kleine gezeichnete Striche, um die nicht enden wollende Auseinandersetzung mit der Nicht-Akzeptanz zu verdeutlichen. Neben der erweiterten räumlichen Wirkung, welche durch das spannungsvolle Aneinanderreihen der Striche entsteht, bringt das Wiederholen selbiger meine Kraftaufwendung und gleichermaßen meinen Kampfgeist zum Ausdruck. So begreife ich es als meine Lebensaufgabe, der anhaltenden Wertung und Ablehnung der normativ geprägten Gesellschaft mit selbstbewusster, zielstrebiger Zuversicht entgegenzutreten. In der Hoffnung, dass ich und auch andere Menschen eines Tages unbeobachtet leben können."

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